Produktionen
Bei Theatersport Berlin ist jeder Abend eine Premiere. Doch auch die Theatersportler sind nicht ganz unvorbereitet. Sie wissen zwar nicht, "was" sie spielen (denn das gibt ja das Publikum vor), doch sie wissen, "wie" sie spielen. Festgelegt sind grobe Strukturen und bisweilen auch thematische Ausrichtungen. Diese "Strukturen" heißen im Fachjargon des Improvisationstheaters "Formate".
"Theatersport" ist ein solches Format des Improvisationstheaters. Vorab festgelegt ist, dass zwei Mannschaften mit einem Moderator und einem Musiker auftreten werden, dass sie vier Runden vor und vier Runden nach der Pause gegeneinander antreten werden, dass zum Abschluss Musiktheater (je nach Wahl des Publikums "Oper", "Musical", "Hip-Hop-Operette") gemeinsam von beiden Teams aufgeführt wird und das Publikum bewerten wird, welches Team mehr zu dieser Szene beigetragen hat. Nicht festgelegt sind die eigentlichen Inhalte der Szenen, die Figuren, die auftreten werden, die Melodien, die gesungen werden. Nach den Vorgaben des Publikums verlassen sich die SchauspielerInnen auf ihre große Improvisationserfahrung.
Neben diesem offeneren Format "Theatersport" gibt es auch sehr viel konkretere Formate, z.B. der "Theatersport-Shakespeare". Bevor die SchauspielerInnen damit das erste Mal auf die Bühne getreten sind, haben sie sich über viele Wochen mit Sprache, Rhythmus, Themen der Shakespeare-Dramen auseinandergesetzt und eine detaillierte Spielstruktur entwickelt. Diese Struktur bildet dann den Rahmen der Improvisationen nach den inhaltlichen Vorgaben des Publikums.
Theatersport-Show
Spartak Stanislawski und Dynamo Duse: zwei gemischte Teams ein grotesker Wettstreit ein strahlender Gewinner! Die Theaterbühne ist die Arena. Der Moderator ahndet die Fouls. Das Publikum führt Regie und kürt nach acht ereignisreichen Runden die beste Tagesform. Das ist Theatersport pur: ein einmaliges Schauspiel - im wahrsten Sinne des Wortes.
Längst haben sich um die improvisierenden Schauspieler und Musiker von Theatersport Berlin begeisterte Fanblocks gebildet, die die zwei Teams nicht nur anfeuern, sondern ihnen mit Vorschlägen die tollsten Szenen entlocken. Zum Doping-Skandal ein shakespearsches Drama, zum G8-Gipfel eine Zuckerbäcker-Operette, zur ersten Liebe ein Heldenepos oder was immer den Akteuren auf Zuruf und aus dem Stegreif Geniales einfällt.
Mehr über "Theatersport" hier.
Bühnenpiraten
Fünf ?Bühnenpiraten? - alles Meister der theatralen Improvisation - kämpfen miteinander um die Gunst des Publikums. Und das Publikum darf, wie immer im Improvisationstheater, mit seinen Vorschlägen das Geschehen auf der Bühne bestimmen. Ein Akteur wird von den Zuschauern am Ende der ersten Hälfte schließlich auserwählt, nach der Pause ein Theaterstück zu inszenieren, im jeweils dort aufgebauten Bühnenbild des Spielplans! Und auch das natürlich improvisiert, unterstützt durch die phantasievollen Vorschläge von niemandem weniger als: Ihnen!
Barsong oder Blues, HipHop oder Hymne wechseln sich in der ersten Hälfte ab mit längeren und kürzeren Improvisationsformen: So könnte ein Bühnenpirat nach einem ungewöhnlichen Schauplatz und zwei alltäglichen Gegenständen fragen, und das Publikum könnte antworten: eine Eisdiele in der Ukraine, ein Regenschirm und eine leere Flasche, und der Schauspieler könnte dies zum Anlass nehmen, einen Film im Stile von Kaurismäki zu inszenieren. Oder ein anderer fragt das Publikum nach einem Jahrzehnt im letzten Jahrhundert, einem Hobby und einem Gefühl, bekäme die 70er, Segelfliegen und Eifersucht zu hören und macht daraus ein Drama, frei nach Botho Strauss. Und ein dritter möchte vielleicht vom Publikum nur den ersten Satz der Szene wissen und den Ort der Handlung, und es würde auf Vorschlag eines Zuschauers in einem Spielcasino losgelegt mit Vertrauen Sie mir. So könnte es sein. Es wird aber anders kommen, weil jeder Abend neu und anders ist.
Am Ende der ersten Hälfte wird also ein Bühnenpirat gewählt sein, der die Ehre hat, in der zweiten Hälfte des Abends ein kleines Theaterstück zu inszenieren, und zwar im jeweils dort aufgebauten Bühnenbild des Abendprogramms. Selbstverständlich gilt auch hier: mit Unterstützung des Publikums. Ob also Krimi oder Komödie, Shakespeare oder Schiller, Beckett oder Brecht der Pirat und seine Mannschaft werden gemeinsam mit dem Publikum ein neues Stück erfinden.
Freestyle
Koproduktion Theater Strahl und Theatersport Berlin
Theatersport jetzt für Jugendliche: Ein Moderator führt zwei Schauspielteams in Feld, die auf Zuruf Szenen und Songs improvisieren. Alles, was auf dem Schulhof diskutiert wird, findet seine Umsetzung: Vom Stress mit der Freundin bis zum Erfolg von Lena, vom Loveparade Drama über Barack Obama im Ölpest-Sumpf bis zur Frage der perfekten Tätowierung. Ein Wort genügt und die Impro-KünstlerInnen toben sich in den unterschiedlichsten Styles aus: Comedy oder Shakespeare-Drama, Oper, Krimi oder Musical. Am Ende jeder Szene heben oder senken die ZuschauerInnen, ihre Daumen und entscheiden den Gewinner der Show! Nichts ist abgesprochen, es entsteht eine publikumsgesteuerte Einmalshow - frech, vollkommen spontan und direkt.
Es spielen Schauspielerinnen und Schauspieler der Ensembles von Theater Strahl und Theatersport Berlin.
Mehr Infos unter www.theater-strahl.de/freestyle
Theatersport-Superszene
Auf der Theatersport-Bühne treten diesmal nicht Dynamo Duse und Spartak Stanislawski mit den Mitteln der theatralen und musikalischen Improvisation gegeneinander an, sondern herzzerreißende Tragödien und kitschige Heimatfilme, monumentale Opern und wortkarge Western, schockierende Splattermovies und rührende Stummfilme. Sie alle streben nach Vollendung, aber nur Eine kommt durch!
Die Schauspieler bieten dem Publikum zu Beginn fünf Szenen an, die jeweils kurz angespielt werden. Diese Szenen verarbeiten Publikumsvorschläge: ein Ort, ein Gefühl, eine Epoche, ein Eigenname usw. Nach der ersten Runde stimmt das Publikum ab, welche Szene ihm am wenigsten gefallen hat diese Szene kommt bestimmt nicht durch, sondern wird gestrichen.
Es folgen die verbleibenden vier Szenen: nahtlos weitergespielt, ein Rückblick in die Vergangenheit, eine Parallelhandlung oder der Ausblick, wie es den Protagonisten in 10 Jahren ergeht. Eventuell auch eine Variation: was vorher klassisches Schauspiel war, wird variiert als Western, Oper oder als Gedicht. Die Vorschläge des Publikums sind auch hier wieder Motor des Geschehens. Und wieder wird eine Szene gestrichen, bis in der letzten Runde nur noch eine Szene übrig bleibt: die Superszene. Die ?kommt durch? und wird bis zum Ende gespielt.
Theatersport-Shakespeare
Sie sehen widerwärtigen Erzbösewichten gerne beim Morden zu?
Mit dem Theatersport-Shakespeare (uraufgeführt 2005 im Shake-Zelt am Ostbahnhof im Rahmen der IMPRO 2005 - internationales Improvisationstheaterfestival Berlin) krönt das erfahrene Impro-Ensemble Theatersport Berlin seine langjährige Arbeit und bringt neben dem Publikumsmagneten Theatersport einen Leckerbissen sowohl für Shakespearefans als auch für Improfreaks auf die Bühne.
Der Theatersport-Shakespeare ist die Frucht der intensiven Beschäftigung mit Shakespeare gemeinsam mit Lorenz Kabas, seines Zeichens Mitglied des 2002 mit dem begehrten Nestroy ausgezeichneten Grazer Theater im Bahnhof, welches letzthin auch durch die Zusammenarbeit mit der aktuellen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek Aufsehen erregte (www.theater-im-bahnhof.com).
Die 4 Shakespare'schen Kategorien Komödie, Tragödie, Märchen und Königsdrama werden in der ersten Hälfte kaleidoskopartig präsentiert und nach der Pause entscheiden die Zuschauer welche der 4 Varianten sie bis zum bitteren oder romantischen Ende sehen wollen.
Auch der Titel liegt in ihrer Hand: zum Beispiel das Königsdrama Claudius, der Zarte, das Märchen Am Zauberteich, die Tragödie Mein oder nicht mein oder vielleicht doch lieber die Komödie Klappern gehört zum Handwerk...?
Theatersport Berlin knüpft mit dem Theatersport-Shakespeare direkt bei Shakespeare selbst an, dessen eigenes Werk stark von improvisierten Stücken geprägt war, deren Inhalt er später sozusagen nur noch ins Reine schreiben musste.
Impro-Brecht
"Bankraub ist eine Initiative für Dilettanten. Wahre Profis gründen eine." (B. Brecht). Und wenn die Meister des Improvisationstheaters Brecht auf die Bühne bringen, dann wissen nur die Zuschauer, wo der Plot hingeht. Die Schauspieler spielen, was das Publikum wünscht.
Shen Te küsst die Götter und erwirbt dann eine Kreuzberger Döner-Bude. Als Shui Ta schafft sie es, einen rasanten Staatsstreich zu inszenieren und dann in geheimer Mission - verkleidet als Angela Merkel - die Welt zu verbessern.
Erleben Sie mit uns und nach Ihren Vorschlägen, wo Shen Te ein Geschäft eröffnet, auf unerwartete Art und Weise Geld verdient, sich mit dem Bösen für das Gute verbündet und im Happy End ein Lied singt, als hätte Kurt Weill es geschrieben. Ein Happy End, das alles offen lässt. Ganz wie im guten Menschen von Sezuan.
Oder doch lieber Mackie Messer bei Lidl? Arbeiterchöre bei Big Brother? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das Publikum entscheidet.
Projekte
Theatersport WM
Die erste Weltmeisterschaft im Theatersport, die im Rahmen des Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung zur FIFA WM 2006? in elf Städten und Regionen Deutschlands stattfand, ging am 7.7.06 im Berliner Theater am Kurfürstendamm ebenso ungewöhnlich wie großartig zu Ende:
Da das Publikum, das wie bei allen anderen Matches über den Sieger des Abends zu entscheiden hatte, sich auch nach der dritten Verlängerung nicht auf einen Sieger einigen konnte, weil die Endspielteilnehmer Belgien und Kanada beide das Auditorium zu Begeisterungsstürmen hingerissen hatten, kürten Schiedsrichter Kalbertodt (Hannover) und Moderator Jungmann (Berlin) kurzerhand beide zum Weltmeister, was stan-ding ovations für die Akteure zur Folge hatte. Da ist das Theater gegenüber dem Sport doch im Vorteil, so reagieren zu können.
Die Stimmung und dies ist die nächste Parallele zur FIFA WM war fast überall prächtig. Als große künstlerische Überraschung darf das Team aus Kolumbien genannt werden, das mit seinem leidenschaftlichen und variantenreichen Spiel bis ins Halbfinale vordrang und dort erst nach Verlängerung von Belgien bezwungen wurde. Gastgeber Deutschland hingegen musste Lehrgeld zahlen und schied nach der Vorrunde als Gruppenletzter der Gruppe C aus.
Über 9000 Zuschauer verfolgten die Turnierspiele und das Rahmenprogramm der 1. Theatersport WM, die mit weit über 800 Presseberichten ein überwältigendes Medienecho erfuhr. Den Höhepunkt diesbezüglich bildete die Live-Übertragung des Finales zwischen Belgien und Kanada im ZDFtheaterkanal. Und in der Langen Nacht des Theatersports am 8.7. im Berliner Shake-Zelt kam es zu einem ebenso unvergesslichen wie in seiner Vielfalt einmaligen Abend mit 50 Improvisationskünstlern aus fünf Kontinenten.
Grüne Woche
Jährlich improvisieren wir auf der internationalen Grünen Woche in Berlin in der Halle des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Umherwandelnde Impro-Profis im Kleide der mythischen Europa, spontane Ess-Performances für das Publikum, moderierte Shows zu aktuellen Themen und in begeisterter Interaktion mit dem Publikum. Schauen Sie vorbei!
Rudi-Impro-Slam
Beim ersten großen Rudi-Impro-Slam am 11. Januar 2007 im Festsaal Kreuzberg improvisierte Theatersport Berlin über das, was sich das Publikum wünschte: eine stürmische Rede, einen Film Noir, einen Kreuzberger Western oder eine Rudi-Dutschke-Operette.